Was ist eigentlich ein Rechtschreibfehler? Sicherlich kein bewusster Regelverstoß, der mit Rot geahndet werden muss. Im Gegenteil verbirgt sich hinter einem Rechtschreibfehler in den allermeisten Fällen eine beachtliche Denkleistung: der Versuch, ein Wort nach bester (Vor-)Kenntnis möglichst richtig zu schreiben. Warum dabei etwas anderes herauskommt als im Duden vorgesehen, bleibt insbesondere für Schulkinder oft unerklärlich. Es ist Lehrern ja auch kaum möglich, jede Fehlschreibung zu analysieren, zu kategorisieren und anschließend maßgeschneiderte Förderung anzubieten.
Für einen entsprechend programmierten Computer dagegen bedeutet eine detaillierte Diagnose oder besser Einstufung hingegen etwa eine Millisekunde Arbeit. Daher bietet das "digite.net"-Team seit 1998 das Open-End-Projekt Deutsch-Förderdiagnostik "Aus Fehlern lernen..." an. Computergestützt werden die Fehlschreibungen jedes Schülers einzeln analysiert und nach mehr als 150 bekannten Problemtypen der Rechtschreibung diagnostiziert.
Dabei fließen laufend neue Erkenntnisse ein, die beim (vom Abteilungsleiter Prof. Dr. Friedrich Schönweiss und dem Kinder-Therapeuten Wolfgang Francich in Süddeutschland gegründeten) Verein für angewandte Lernforschung A-L-F e.V. aus der Erforschung und Individualförderung von Kindern mit grundsätzlichen Schul-, Lern- und Leistungsproblemen gewonnen werden. Die Güte und ständige Aktualisierung der Deutschdiagnose wird gesichert durch an der Abteilung engagierte Germanisten sowie durch eine Kooperation mit A-L-F e.V. und Dr. Hajo Dieckmannshenke vom Institut für Germanistik an der Universität Koblenz.
Bereits mehr als 10.000 Kinder und Jugendliche haben die ab Ende des ersten Schuljahres einsetzbaren schulform- und altersspezifischen Tests absolviert. Dabei erhobene Daten bilden in anonymisierter Form die Grundlage diverser universitärer Evaluations-Arbeiten, deren Ergebnisse die Weiterentwicklung der Erkennungsleistung der Computerdiagnose bestimmen. Für jedes Kind liefert eine umfassende Individualanalyse die jeweiligen Stärken und Problembereiche. Klassen- und Stufenspiegel erlauben die schnelle Ermittlung des Handlungsbedarfs für eine Lerngruppe sowie einen Vergleich der vorhandenen Leistungsniveaus. Weiterhin kann auf freiwilliger Basis die Einordnung der Lerngruppenleistung in eine schulformhomogene oder stufengleiche Datengesamtheit erfolgen.
Zur Diagnose werden die Eintragungen der Schüler mit Tabellen so- genannter "legitimer Fehlschreibungen" im Computer verglichen wie nachstehend stilisiert abgebildet.

Abb. 2: Computergestützte Förderdiagnose
So ergibt sich für jeden Schüler sowie die Lerngruppe eine äußerst detaillierte Diagnose, die mittels schnell erfassbaren grafischen Auswertungen direkt den Handlungs- und Förderungsbedarf der Gruppe ausweist. Konstruktiv schließt sich an die Diagnose ein entsprechen-des Förderungsangebot an bestehend aus zahlreichen Erklärungstexten, Übungen und Arbeitsblättern, die von Germanisten und Fachkräften der Abteilung erstellt werden.
Derzeit ist diese Materialsammlung ergänzt um wissenschaftliche Hintergrundinformationen sowie ausgesuchte Texte zur Rechtschreibung und deren Schwierigkeiten in kompakter Form als "Förder-CD" erhältlich, von welcher die Fördermaterialien auch direkt ausgedruckt und beispielsweise im Unterricht oder der Heimarbeit eingesetzt werden können. Mittelfristig wird die Förderung gekoppelt an diverse Diagnoseeinheiten als interaktives Datenbankgeneriertes Internet-Lern-system realisiert werden, eine erste Studie mit lauffähigem Prototyp wurde bereits im Sommer 2000 unter einer geschützten URL vorgestellt.
Dieser sogenannte Lernserver soll als flexible Lernumgebung unterschiedlichste neue Lern- und Lehrmöglichkeiten offerieren und dabei sowohl nach Lerntypen differenzieren wie auch alternative Lernpfade vorhalten; administrative Funktionen für Lerngruppen sind auch für die Lehrer- oder Betreuerhand vorgesehen, ebenso umfangreiche Statistiken zu Lernverhalten und -erfolg. Abgerundet werden soll das Angebot (sofern eine entsprechende Finanzierung dies ermöglicht) durch eine Online-Redaktion, die in Problemfällen auch direkte oder virtuell vermittelte Betreuung in Form von Chats oder Briefkontakten anbietet.
Die Inhalte für eine Ausweitung des netzbasierten Lernsystems auf die anderen Kernfächer Mathematik und Englisch werden bereits strukturiert und aufbereitet, Ziel ist ein umfassendes Fördersystem sowohl für die Belange der weiterführenden wie auch der Grundschulen. Damit letztere den Computer bereits in den ersten Klassen unterrichtlich sinnvoll behandeln können, wird in einem geschützten Bereich des digite.net derzeit ein entsprechendes Curriculum mit umfassendem Unterrichtsmaterial entwickelt.

4) Computerwissen für die Grundschule
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