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Lese- und Rechtschreibstörung (Legasthenie)
Definitionen
Erkennungsmerkmale
Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS)
Definitionen
Dyskalkulie (Rechenschwäche)
Definitionen
Erkennungsmerkmale
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Ursachen von Teilleistungsstörungen
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Die aktuelle Ursachenforschung zeigt ein sehr weites Spektrum an Erklärungsmöglichkeiten. Es gibt hinsichtlich einer Lese- Rechtschreibstörung bzw. -schwäche und/oder einer Rechenstörung heute noch immer keine eindeutige Definition und Ursachenklärung.
Wir, A-L-F
e.V., gehen davon aus, dass verschiedene Ursachen, die auch gleichzeitig vorliegen können, in Frage kommen. Diese können physischer und/oder psycho-sozialer Natur sein:
a) Physische Einflüsse
Aktuelle Untersuchungen weisen auf genetische Ursachen hin, nämlich eine Mutation der Chromosomen 1, 2, 6 und 16. Dies hat Störungen der sprachlichen, visuellen und akustischen Informationsverarbeitung zur Folge. Weitere Ursachen können sein:
Hirnfunktionsstörungen (MCD, ADS) Physische Störungen (Wahrnehmung: Hören, Sehen, Sprechen, Motorik ...)
Entwicklungsverzögerungen
Krankheitsfolgen
Geburtsschäden
b) Psycho-soziale Einflüsse
Schulische Faktoren, wie z.B. Lernmethoden, Lerntempo etc. können eine Teilleistungsstörung bzw. -schwäche ebenso verfestigen, wie familiäre Probleme (z.B. Scheidung) und soziale Veränderungen (z.B. Umzug).
Nach unseren Erfahrungen können wir davon ausgehen, dass eine gründliche Diagnostik aller möglichen Einflussfaktoren und deren gezielte ärztliche und/oder therapeutische Behandlung zu einer deutlichen Besserung führen kann. Dies ist immer vom Einzelfall abhängig, da fast nie die selben Phänomene bei einer Teilleistungsstörung bzw. -schwäche auftreten.

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Hilfe - was tun?
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Bei Verdacht auf eine Teilleistungsstörung (Lese- Rechtschreibstörung - bzw. -schwäche und Dyskalkulie) empfiehlt sich eine Diagnostik. Ab Ende der 1. Klasse gibt es standardisierte Tests, die eine solche Störung feststellen können.
Liegt eine Teilleistungsstörung vor, sollten alle möglichen Hilfen (nach eingehender Beratung) wahrgenommen werden. Nachhilfe, Üben etc. hilft nicht. Das Auslagern der Problematik in fachkundige Hände entlastet das Kind und die ganze Familie.
Möglich sind innerschulische und/oder außerschulische Hilfen.
Die innerschulischen Hilfen sind durch den Kultusministeriellen Erlaß geregelt, der Weg geht über den staatlichen Schulpsychologen. Diese Hilfen beziehen sich sowohl auf eine Lese-Rechtschreibstörung (Legasthenie) als auch auf eine Lese-Rechtschreibschwäche (LRS).
Für den Bereich Dyskalkulie gibt es leider noch keine innerschulischen Möglichkeiten.
A-L-F
e.V. ist eine therapeutische Einrichtung im Bereich außerschulische Hilfen. Das Jugendamt ist der zuständige Ansprechpartner für eine mögliche finanzielle Förderung. Es veranlasst umfassende Testungen nach dem ICD-10 und fördert gegebenenfalls sowohl bei einer Legasthenie / LRS als auch bei einer Dyskalkulie, wenn zusätzlich eine seelische Behinderung droht oder vorhanden ist. Die Eltern müssen einen Antrag auf Eingliederungshilfe nach § 35a stellen. Die Altersgrenze liegt bei 21 Jahren, in Ausnahmefällen geht die Hilfe bis 23.
Bei den Jugendämtern liegt eine Liste der therapeutischen Einrichtungen vor, die Therapie kann beginnen.
Der Weg ist oft mühsam, da Wartezeiten, Testungen etc.oft nervlich schwer zu bewältigen sind. Doch im Interesse des Kindes lohnt es sich, dies auf sich zu nehmen.
Die Krankenkassen übernehmen die Kosten einer Therapie, wenn psychische Probleme überwiegen.
Erwachsene Analphabeten oder Legastheniker können sich wegen finanzieller Hilfen an das Sozialamt wenden. 
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Lese- und Rechtschreibstörung (Legasthenie)
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Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD 10, WHO
Bern, Göttingen, Toronto, Seattle 1997, S. 274 ff:
(nach dieser Klassifikation richtet sich in Europa die Diagnostik)
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F81.0 Lese- und Rechtschreibstörung
Das Hauptmerkmal dieser Störung ist eine umschriebene und eindeutige Beeinträchtigung in der Entwicklung der Lesefertigkeiten, die nicht allein durch das Entwicklungsalter, durch Visus-Probleme oder unangemessene Beschulung erklärbar ist. ... Mit Lesestörungen gehen häufig Rechtschreibstörungen einher. ... Kinder mit einer umschrieben Lese- und Rechtschreibstörung haben in der Vorgeschichte häufig eine umschriebene Entwicklungsstörung des Sprechens und der Sprache. ... In einigen Fällen können darüber hinaus Probleme bei der visuellen Informationsverarbeitung bestehen (...) und bei der akustischen Differenzierung; ... .

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| Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus, München, 09.12.1999 |
Zu unterscheiden ist eine Lese- und Rechtschreibstörung (Legasthenie, Dyslexie) mit teilweise hirnorganisch bedingten , gravierenden Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitsstörungen von einer vorübergehenden Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS), die in mehr oder minder starker Ausprägung eine Verzögerung im individuellen Lese- und Schreiblernprozess darstellt. ... Legasthenie ist eine Störung des Lesens und Rechtschreibens, die entwicklungsbiologisch und zentralnervös begründet ist. Die Lernstörung besteht trotz normaler oder auch überdurchschnittlicher Intelligenz und trotz normaler familiärer und schulischer Lernanregungen. Die Beeinträchtigung oder Verzögerung beim Erlernen grundlegender Funktionen, die mit der Reifung des zentralen Nervensystems verbunden ist, hat demnach biologische Ursachen, deren Entwicklung lange vor der Geburt des Kindes angelegt oder durch eine Schädigung im zeitlichen Umkreis der Geburt bedingt ist.
Legasthenie ist eine nur schwer therapierbare Krankheit, die zu teilweise erheblichen Störungen bei der zentralen Aufnahme, Verarbeitung und Wiedergabe von Sprache und Schriftsprache führt. Individuelle Ausprägungen und Schweregrade dieser Lernschwierigkeit ergeben sich durch unterschiedliche Kombinationen von Teilleistungsschwächen der Wahrnehmung, der Motorik und der sensorischen Integration. ...

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Bundesverband Legasthenie e.V.,
Legasthenie, Definition mit Erläuterungen und Empfehlungen, Hannover, in der Fassung vom 31.10. 1987 |
Legasthenie ist die Bezeichnung für Schwächen beim Erlernen von Lesen, Schreiben und Rechtschreiben, die weder auf eine allgemeine Beeinträchtigung der geistigen Entwicklung noch auf unzulänglichen Unterricht zurückgeführt werden können.
Kennzeichnend für eine Legasthenie sind weniger Anfangsschwierigkeiten beim Erwerb der Schriftsprache, als eine Diskrepanz zwischen dieser Leistung und den meisten übrigen Lern- und Leistungsmöglichkeiten, sowie das Fortwirken der partiellen Lernschwäche auch nach Verbesserung der Lese- und Rechtschreibleistung.
Die Fähigkeiten von Schülern mit Legasthenie werden ihrer Rechtschreibung wegen nämlich häufig unterschätzt, so dass es zu Fehlentscheidungen über Schullaufbahnen kommt.
Die Gründe für das umschriebene Versagen bei der Aneignung von Schriftsprache liegen im Wesentlichen in Besonderheiten, die das Kind bereits mit in die Schule bringt. Sie können sowohl aufgrund einer entsprechenden Anlage als auch durch Störungen der Entwicklung des Zentralnervensystems oder durch das Zusammenwirken beider Bedingungen entstehen. Mit den Lese-/Rechtschreibschwächen können Teilleistungsschwächen der Wahrnehmung, der Motorik (Bewegungs- und Koordinationsstörungen), der Seitendominanz und/oder Beeinträchtigungen des Spracherwerbs zusammentreffen.

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Lese- und Rechtschreibstörung (Legasthenie)
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Erkennungsmerkmale
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- Das Kind verwechselt ähnlich klingende Laute und Lautkombinationen (dragen/tragen, Vata/Vater, Marschine/Maschine)
- Das Kind hat Schwierigkeiten mit der richtigen Reihenfolge der Buchstaben (Lied/Leid, Garten/Graten) beim Schreiben und/oder Lesen.
- Verwechslung ähnlich klingender Laute (m/n, ng/n, b/p) auch zum Teil beim Lesen.
- Das Kind liest und schreibt optisch ähnliche Zeichen falsch (b/d/p, m/n/u)
- Das Kind lässt Buchstaben am Wortanfang bzw. -ende oder im Wortinnern aus.
- Länge oder Kürze eines Buchstaben werden nicht erkannt (z.B. Himmel/Hinel, mit entsprechenden Problemen beim Lesen)
- Trotz Übens gibt es viele wiederkehrende Fehler; das falsch geschriebene Wort wird jedesmal anders falsch geschrieben
- Kind liest buchstabierend, stockend und teilweise ohne den Sinn zu verstehen
- Das Kind liest nur ungefähr nach dem Inhalt, nicht, was wirklich dasteht. Es beachtet die Endungen nicht und liest z.B.: Michael kaufen (kauft) ein Eis.
- Das Kind erkennt fehlerhaft Gelesenes nicht, auch wenn es keinen Sinn ergibt.
Diese Merkmale müssen nicht alle gleichzeitig vorhanden sein. Zudem können sie in unterschiedlicher Ausprägung auftreten.
Eine Lese- und Rechtschreibschwäche bzw. -störung kann gemeinsam auftreten, muss es aber nicht. Wir kennen auch das Problem der isolierten Lesestörung.
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Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS)
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Definition
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| Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus, München, 09.12.1999 |
Im Gegensatz zur anhaltenden Lese- und Rechtschreibstörung können Schüler ein vorübergehendes legasthenes Erscheinungsbild aufweisen, das auf unterschiedliche Ursachen zurückzuführen ist. Ursache dafür kann z.B. eine Erkrankung, eine besondere seelische Belastung oder ein Schulwechsel sein.
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Dyskalkulie (Rechenstörung)
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Definition
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| Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD 10, WHO
Bern, Göttingen, Toronto, Seattle 1997, S. 274 ff:

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F81.2 Rechenstörung
Diese Störung beinhaltet eine umschriebene Beeinträchtigung von Rechenfertigkeiten, die nicht allein durch eine allgemeine Intelligenzminderung oder eine eindeutig unangemessene Beschulung erklärbar ist. Das Defizit betrifft die Beherrschung grundlegender Rechenfertigkeiten wie Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division, weniger die höheren mathematischen Fertigkeiten ...

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Bayerischer Landkreistag, München, 02.07.1996
Vollzug des § 35a SGB VIII, Arbeitshilfe für Legasthenie und Dyskalkulie, S.4 f:
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Bei Dyskalkulie (Arithmasthenie, Rechenschwäche) sind bereits im Vorschulalter und im Schuleingangsbereich Teilausfälle und partielle Entwicklungsverzögerungen nachweisbar, die eine spätere Dyskalkulie zur Folge haben. Es handelt sich z.B. um Schwächen im visuell-räumlichen Vorstellungsvermögen, in der Mengenerfassung (vor dem Zahlenbegriff), in Problemen im Verständnis des Gleichheitsbegriffes und hinsichtlich des Operationsverständnisses ...
Dies führt zu sich ausweitenden Lerndefiziten, die aufbauenden Stoff nicht mehr vermittelbar machen .... Die Wissensdefizite weiten sich zu spezifischem Versagen in der Mathematik ...
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Dyskalkulie (Rechenstörung)
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Erkennungsmerkmale
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- Das Kind versteht den Wert von Geldbeträgen nicht. Es kann nicht mit Taschengeld umgehen, es kann keine Preisvergleiche anstellen und das Wechselgeld nicht nachprüfen.
- Das Kind tut sich beim Vergleichen schwer. Es kann nicht sicher angeben, was leichter und schwerer, länger und kürzer ist.
- Das Kind kann Zeiten nicht richtig angeben. Es verwechselt die Zeitmaße (z.B. Sekunden und Minuten) oder erlernt nur schwer das Uhrablesen
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- Das Kind kann aus einer Menge von Gegenständen nicht die Anzahl heraussuchen, die ihm vorgegeben wird.
- Das Kind verrechnet sich häufig um 1 (z.B. rechnet es 9-4=6)
- Das Kind vertauscht bei mehrstelligen Zahlen die Reihenfolge der Ziffern (123 statt 132).
- Dem Kind sind die Grundrechenarten unklar, ebenso die Bedeutung von plus, minus, mal und geteilt.
- Das Kind verwendet die falsche Rechenart. Es rechnet z.B. eine Malaufgabe (2x3) als Addition (2+3).
- Das Kind rechnet bei Textaufgaben ziellos oder fühlt sich von vornherein völlig überfordert.
- Dem Kind fällt die Unsinnigkeit einer Lösung nicht auf (z.B. gibt es auf die Frage "Wieviele Leute sitzen in einem Zugabteil?" die Antwort "894,25").
- Das Kind ist nicht in der Lage, das ungefähre Ergebnis einer Aufgabe abzuschätzen.

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